Menschen bei DO: Roman Niggli

Es braucht vor allem Zeit und Geduld um Uchi-Deshi zu werden. Alles andere lernt man, während man es macht.

Michelle Grob hat mit Roman Niggli ein Interview zu seiner Geschichte bei DO und seinen Eindrücken als Uchi-Deshi geführt. Daraus ist folgender Text entstanden:

Als ein Kollege aus Kindergartenzeiten mich fragte, ob ich mit ihm zusammen einen Karatekurs besuchen möchte, dachte ich, das sei so ein Crash-Kurs, der sechs Monate dauert und in dem einem ein paar Techniken und Tricks gezeigt werden. Hätte ich gewusst, dass das ein aufbauender Anfängerkurs ist, hätte ich vielleicht gar nicht erst begonnen.

Ich bin dann aber dabei geblieben und das Gefühl Vorwärtszukommen, immer etwas Neues zu lernen, gefiel mir sehr. Der Kollege hörte schliesslich auf und ich bin zu den Jugendlichen gewechselt, da gefiel mir die Gruppe auch in sozialer Hinsicht gut.

Zum Vollkontakt bin ich auch eher zufälligerweise gekommen. Mein guter Kollege Axel wollte unbedingt damit beginnen und weil ich weiterhin mit ihm zusammen trainieren wollte, fing ich mit sechzehn Jahren ebenfalls mit Vollkontakt an. Eigentlich wollte ich die sechs Monate Mindesttraining absolvieren, danach aufhören und weiterhin in der Erwachsenengruppe trainieren – und dann hat mir Vollkontakt grossen Spass gemacht! Ich kann es nicht gut in Worte fassen, was mir daran so gut gefällt. Vielleicht ist es weil ich mich näher beim Gegner fühle als im Shobu, aber ich mag auch die Sandsack-Einheiten sehr gut, bei denen man sich selbst herausfordert.

Momentan fordere ich mich selbst stark im Karate. Als Uchi-Deshi trainiere ich jeden Tag, ausser am Wochenende. Am Morgen trainiere ich entweder Kraft oder ich gehe joggen, am Nachmittag investiere ich in die Technik oder absolviere ein Intervalltraining und immer stretche ich, abends besuche ich das Karate- oder Yogatraining. Am Wochenende schlafe ich, spiele Klavier oder Star Craft II oder sehe meine Freunde, wenn sie denn da sind. Die meisten sind im Militär, wo ich eigentlich auch wäre, aber es hat mir einfach nicht gut getan. Ich habe das schon relativ früh gemerkt und nach dem Termin mit dem Psychologen dann auch den „Militär-Durchdiener“ abgebrochen. Glücklicherweise sprach mich Christian nach einem Training mit der Frage an, ob ich mir vorstellen könnte, Uchi-Deshi zu werden. Und jetzt verbringe ich den Tag mit nichts anderem als Karate.

Nach dem Training bin ich stolz auf das Geschaffte und geniesse das angenehme Gefühl der körperlichen Erschöpfung. Und doch ist es nicht nur das körperliche Training, das mich fordert, sondern auch das Zwischenmenschliche. Vor einer Klasse zu stehen und etwas zu sagen, auch wenn es nicht viel ist, gibt mir ein Gefühl der Exponiertheit, das für mich manchmal schwer auszuhalten ist. Aber sich in solchen Situationen weiterzuentwickeln, auch das kann ein Ziel einer Uchi-Deshi-Zeit sein. Generell habe ich das Gefühl, dass ich gelernt habe, näher an meine Grenzen heranzugehen. Als ich begann täglich zu trainieren war es äusserst schwierig, mich selbst zu fordern, da war es viel leichter dem Tempo von Malibu und Marcel zu folgen. Mittlerweile kann ich das viel besser. Ich kann aber noch nichts so gut, wie ich das können möchte. Deshalb aufzuhören war aber noch nie eine Option. Früher dachte ich beispielsweise, dass wenn schriftliche Prüfungen abzulegen sind, ich bestimmt mit dem Karate aufhören werde. Aber als es dann so weit war, fiel es mir nicht schwer. Deshalb denke ich jetzt, dass auch eine Schwarzgurt-Prüfung irgendwann zu schaffen ist.

Mittlerweile weiss ich, dass es vor allem Zeit und Geduld braucht, um Uchi-Deshi zu werden. Alles andere lernt man, während man es macht.

 

Oder wie die Franzosen sagen...

Alles ist schwer, bevor es leicht wird.

Lieber Roman, dein Beitrag hat mich sehr berührt und du sprichst mir aus tiefster Seele. Manchmal muss man etwas einfach tun, um es zu lernen. Genau so ist es mir selbst auch oft gegangen.

Ich hoffe du hast noch viel Freude auf deinem Web zu Uchi-Deshi! Denn manchmal ist auch der Weg das Ziel.